Initiative "Gedenken im Polenztal"

( Erstellt am 06.09.2026 )

KZ Außenlager Porschdorf - "Schwalbe III"

Im Polenztal (Sächsische Schweiz) befand sich von Anfang Februar bis Mitte April 1945 der Einsatzort eines Außenlagers des Konzentrationslagers (KZ) Flossenbürg. Es hatte den Decknamen „Schwalbe III“ und gehörte zu einem Projekt, das die Herstellung von Flugbenzin für die deutsche Luftwaffe sicherstellen sollte (vgl. "Geilenberg-Programm"). Lagerkomplex und Baustellen erstreckten sich von der heutigen Ochelbaude bis zur Waltersdorfer Mühle. Die 2,5 Monate, in denen das Lager existierte und der anschließende Todesmarsch kosteten viele der 250 KZ-Häftlinge das Leben.

Initiative "Gedenken im Polenztal"

Unter der entstandenen Eigenenbezeichnung Initiative "Gedenken im Polenztal" haben sich im Herbst 2024 interessierte Einzelpersonen und aktive aus dem AKuBiZ e.V. aus Pirna und uns den Schwarz-Roten Bergsteiger_innen getroffen, um die bestehende Idee von würdigen Gedenktafeln im Polenztal erneut und abschließend anzugehen. In den Folgemonaten entstanden zwei Informationstafeln, welche über das KZ Außenlager Porschdorf "Schwalbe III" am Ort des Geschehens informieren sollten. In anschließender Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Sächsische Schweiz konnten die zwei Tafeln am 16.04.2026, den 81. Jahrestag der Auflösung des Lagerns und Beginn des dort losgehenden Todesmarsch, im Polenztal präsentiert und wenige Tage später installiert werden ( https://dresden.network/@srb/116416120607778114 ).

Die Gedenktafeln

Im folgenden wird der Inhalt der Gedenktafeln präsentiert, da dieser auch abseits der Tafeln gelesen werden kann.

===== Gedenktafel 1 =====

(Ort der Tafel: Parkplatz Frinztalmühle, Openstreetmap)

Gedenktafel 1 - Frinztalmühle

„[In Porschdorf] fanden wir ein Lager vor, das gerade erbaut worden war, weit weg vom Dorf. Es befand sich in einem engen Tal, das nicht breiter war als 100 Meter. Die Baracke befand sich unter der Felswand, die als Dach diente. Es tröpfelte ununterbrochen und es war unglaublich feucht. [...] Dies wurde zum Ort unserer Qualen.“
Dies berichtete Ugo Bigardi (1947) über das KZ-Außenlager Porschdorf.

[Ugo Bigardi in Anna Chilesotti; Giacomo Chilesotti: Campo di annientamento e morte di Giuliano. Padua, Zanocco. 1947. S. 159-163.]

KZ-Außenlager Porschdorf

Hier im Polenztal befand sich von Anfang Februar bis Mitte April 1945 der Einsatzort eines Außenlagers des Konzentrationslagers (KZ) Flossenbürg. Es hatte den Decknamen „Schwalbe III“ und gehörte zu einem Projekt, das die Herstellung von Flugbenzin für die deutsche Luftwaffe sicherstellen sollte. Lagerkomplex und Baustellen erstreckten sich von der Ochelbaude (10) bis zur Waltersdorfer Mühle. Die 2,5 Monate, in denen das Lager existierte und der anschließende Todesmarsch kosteten viele der 250 KZ-Häftlinge das Leben.

Zwei weitere Außenlager befanden sich in Königstein und Pirna-Mockethal. Planung und Bau der drei Lager geschah unter Führung des Ingenieurbüros Prof. Rimpl aus Königstein.

Außenlagersystem Flossenbürg und Untertageverlagerungen der Industrie

Die drei Außenlager in der Sächsischen Schweiz, mit tausenden KZ-Häftlingen, Zwangsarbeiter:innen und Kriegsgefangenen, waren Teil eines weiten Netzes. Allein das KZ Flossenbürg hatte annähernd 80 Außenlager. Alle Lager in der Sächsischen Schweiz entstanden zur Umsetzung von Untertage-Verlagerungen von Industrieanlagen. Die nationalsozialistische Führung reagierte damit auf zunehmende Bombardements der Städte durch die Alliierten und das Vorrücken der Roten Armee. An Planung und Umsetzung dieser Projekte unter Einsatz von KZ-Häftlingen waren in hohem Maße zivile Unternehmen beteiligt.

Das Lager „Schwalbe III“

Am 3. Februar 1945 wurden 250 Häftlinge aus dem Stammlager Flossenbürg nach Porschdorf gebracht. Der Großteil von ihnen stammte aus Italien. Untergebracht wurden die Menschen in Baracken an einer Bachschleife der Sebnitz (8). Die Baracken durften sie nur zum Schlafen betreten. Von diesen ist heute kaum noch etwas sichtbar. Die Häftlingsküche wurde Ende der 90er Jahre abgerissen. Die Wachmannschaften wurden in der Ochelbaude (10) untergebracht. Als Wachposten diente auch der nahegelegene Kletterfelsen „Bahnhofswächter“.

Zur Arbeit mussten die Häftlinge täglich bis zu 30 Minuten marschieren. Sie arbeiteten im Steinbruch an der Ochelbaude, beim Entladen von Elbkähnen und vor allem im Polenztal. Hier mussten sie unter anderem einen Bahndamm anlegen. Außerdem mussten sie Stollen in die Felswände schlagen, die jedoch bis zur Auflösung des Lagers nur wenige Meter Tiefe erreichten. Aus dieser Zeit stammen auch die noch heute sichtbaren betonierten Sockel (2) für die Montage von Kompressoren.

Auflösung des Lagers

Obwohl das Lager nur wenige Monate bestand, starben laut den Nummernbüchern des Lagers einige Häftlinge. Allerdings wurden, wie in vielen anderen Lagern auch, todkranke und entkräftete Häftlinge häufig verlegt, sodass sie an anderen Orten starben. Wesentlich mehr Häftlinge kamen beim anschließenden Todesmarsch ums Leben. Dieser begann am 16. April 1945, führte von Porschdorf über Hellendorf im Bahratal und endete nach zwei oder drei Tagen an einem Bauernhof in Oelsen bei Bad Gottleuba. Dort wurden die Überlebenden in einer Scheune einquartiert und mussten Bäume zur Errichtung von Panzersperren fällen. Am 9. Mai 1945 wurden sie von der Roten Armee befreit. Die deutschen Bewacher waren tags zuvor geflohen.

Juristische Aufarbeitung

Die Staatsanwaltschaft Kassel führte nach Kriegsende Ermittlungen gegen Gustav Göttling, den ehemaligen Kommandoführer des Lagers in Porschdorf, durch. Da die vorwiegend italienischen Zeugen jedoch keine Täter benennen konnten und Göttling jedwedes Vergehen abstritt, wurde das Verfahren im Dezember 1977 eingestellt.

Gedenktafel-Karte-Schwalbe3-Parkplatz-20260202.png

[English]

In early 1945 there was an offshoot of the Flossenbürg concentration camp in Polenztal, near Porschdorf, under the code name "Schwalbe III". Approximately 250 prisoners, mainly Italian, were forced to do hard labour in inhumane conditions. The camp’s purpose was to move the production of aviation fuel, critical to the war effort, to an underground location. Even though the camp only existed for a short time, many prisoners lost their lives in it, as well as many more on the death march in April 1945. The survivors were liberated by the Red Army on the 9th May 1945. Legal proceedings seeking redress for these crimes were not successful.

English version: KZ Porschdorf Sub‑Camp

[Český]

Na začátku roku 1945 existoval v údolí Polenztal u Porschdorfu pobočný tábor koncentračního tábora Flossenbürg s krycím názvem „Schwalbe III“. Asi 250 vězňů, převážně z Itálie, muselo za nelidských podmínek vykonávat nucené práce. Cílem byl podzemní přesun vojensky významného průmyslu, aby byla zajištěna výroba leteckého paliva. Již během krátké existence tábora zemřelo několik vězňů, mnoho dalších přišlo o život během pochodu smrti v dubnu 1945. Přeživší byli 9. května 1945 osvobozeni Rudou armádou. Právní vyrovnání těchto zločinů zůstalo bezvýsledné.

České znění: Tábor Porschdorf

===== Gedenktafel 2 =====

(Ort der Tafel: Reste von Fundamenten, Openstreetmap)

Gedenktafel 2 - Giuliano Benassi

KZ-Außenlager Porschdorf

Hier im Polenztal befand sich von Anfang Februar bis Mitte April 1945 der Einsatzort eines Außenlagers des Konzentrationslagers (KZ) Flossenbürg. Es hatte den Decknamen „Schwalbe III“ und gehörte zu einem Projekt, das die Herstellung von Flugbenzin für die deutsche Luftwaffe sicherstellen sollte. Lagerkomplex und Baustellen erstreckten sich von der Ochelbaude (10) bis zur Waltersdorfer Mühle. Die 2,5 Monate, in denen das Lager existierte und der anschließende Todesmarsch kosteten viele der 250 KZ-Häftlinge das Leben.

Weitere Informationen zum KZ-Außenlager Porschdorf befinden sich an der Tafel 1 beim Parkplatz Frinztalmühle.

Von links nach rechts, Luciano Carestia, Giuliano Benassi und der Autor Francesco Berti Arnoaldi, Bologna im November 1942

Giuliano Benassi (Bildmitte, *23. März 1924, † 27. April 1945) war als junger Mann im KZ-Außenlager Porschdorf inhaftiert.

[Francesco Berti Arnoaldi Veli; Jörg Skriebeleit (Hrg.): Reise mit meinem Freund. Leben und Tod des Giuliano Benassi im Konzentrationslager Flossenbürg und im Außenlager Porschdorf. Detmold. 2016.]

Giuliano Benassi wurde am 23. März 1924 in Carpi bei Modena geboren. Er war das jüngste von sieben Kindern. Sein Vater Thomas war Rechtsanwalt und Parlamentsabgeordneter. Nach dem Tod des Vaters zog die Familie nach Bologna. Wenige Jahre später starb auch Giulianos Mutter Tina. Im Herbst 1943 beschloss Giuliano, sich dem Widerstand gegen den Faschismus anzuschließen. Als er im März 1944 zur Armee eingezogen werden sollte, entschloss er sich stattdessen, Partisan zu werden. Er nahm als Kommandant an mehreren Gefechten teil, wurde aber später von der faschistischen Polizei überrascht und kurzzeitig festgenommen. Nachdem er sich an weiteren illegalen Aktionen beteiligt hatte, wurde er erneut inhaftiert. Diesmal brachten ihn die Faschisten nach Verona, von wo aus man ihn am 20. Dezember 1944 in das Konzentrationslager von Bozen deportierte.
Von dort aus schrieb Giuliano einen letzten, noch hoffnungsvollen Brief an seinen Bruder Alfredo. Einen Monat später kam er in das bayerische Konzentrationslager Flossenbürg und von dort in das Außenlager Porschdorf. Hier waren die Häftlinge in feuchten Baracken untergebracht und schufteten täglich im Steinbruch. Zu essen gab es kaum. Der körperliche Verfall wurde immer deutlicher und Giuliano begann viel zu beten. Unerschütterlich glaubte er an Gottes Hilfe. Mitte April 1945 wurde das Lager aufgelöst und die Häftlinge wurden zu einem Todesmarsch gezwungen.

Der Marsch endete nach einigen Tagen in der erzgebirgischen Gemeinde Oelsen. Flucht war der bestimmende Gedanke, denn die Häftlinge hörten bereits die sich nähernde Front. Auch hier in Oelsen mussten die Gefangenen noch arbeiten. Auf einem dieser Arbeitseinsätze floh Giuliano Benassi mit drei Bekannten. Einer von ihnen beschreibt die letzten Minuten von Giuliano Leben:

„Als letzter, etwa zwanzig Meter hinter mir und sehr langsam, Giuliano. Ich drehte mich um und sah, wie er sich fast regungslos an einen Felsen klammerte. Er schaute mich mit aufgerissenen Augen an. Er hatte keine Kraft mehr. In jenem Moment kam ein Unteroffizier der Wache, zog seine Pistole und drückte ab. So starb Giuliano, ohne zu schreien, ohne zu flehen.“

[Ugo Bigardi in Anna Chilesotti; Giacomo Chilesotti: Campo di annientamento e morte di Giuliano. Padua, Zanocco. 1947. S. 159-163.]

Es war der 27. April 1945, Giuliano war gerade einmal 21 Jahre alt. Italien war zu diesem Zeitpunkt bereits befreit. Giulianos Geschichte steht für viele andere Menschen, die dem Faschismus zum Opfer fielen und deren Geschichten niemals bekannt wurden.

Gedenktafel-Karte-Schwalbe3-Fundamente-20260202.png

[English]

In early 1945 there was an offshoot of the Flossenbürg concentration camp in Polenztal, near Porschdorf, under the code name "Schwalbe III". Approximately 250 prisoners, mainly Italian, were forced to do hard labour in inhumane conditions. This plaque provides information about Giuliano Benassi, one of the camp's victims. His story reflects that of the numerous people who were victims of fascism, and whose stories were never told.

English version: KZ Porschdorf Sub‑Camp

[Český]

Na začátku roku 1945 existoval v údolí Polenztal u Porschdorfu pobočný tábor koncentračního tábora Flossenbürg s krycím názvem „Schwalbe III“. Asi 250 vězňů, převážně z Itálie, muselo za nelidských podmínek vykonávat nucené práce. Tato pamětní deska informuje o Giulianovi Benassim, oběti tohoto tábora. Jeho příběh je příkladem mnoha dalších lidí, kteří se stali obětmi fašismu a jejichž osudy nejsou známy.

České znění: Tábor Porschdorf - Giuliano Benassi

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Weitere Informationen über das KZ-Außenlager Porschdorf „Schwalbe III‟ sind auf der Webseite https://gedenkplaetze.info (QR-Code) zu finden. Die Gestaltung sowie Inhalte der Texte, Tafel und Webseiten wurden durch die Mitglieder der Initiative Gedenken im Polenztal gestaltet.

Quellen/Literatur

Zu diesem Themenfeld hat der AKuBiZ e.V. einen Informationsflyer hergestellt, welcher hier heruntergeladen werden kann: https://akubiz.de/10-verein/veroeffentlichungen/691-gedenkflyer-kz-porschdorf

Letzte Aktualisierung: 6. September 2026